Ziel ist die Vernetzung der Datenströme

Interview mit Christina Umstätter. Zweiter Teil.

Übersicht

Ann Schärer
16. Dezember 2019

Christina Umstätter, welche Trends zeichnen sich aktuell im Bereich Smart Farming ab?

Das Interesse durch die digitale Transformation den administrativen Aufwand zu reduzieren ist sehr gross und sowohl in der Schweiz wie auch weltweit ein wichtiges Thema. In diesem Sinne ist auch die Herausforderung, eine Smart Farming-Plattform wie beispielsweise barto zur Verfügung zu stellen, ein grosses Thema. Dabei möchte man die verschiedenen Datenströme vernetzen, damit die benötigten Informationen von den Betrieben wirklich nur einmal eingegeben werden müssen. Des Weiteren wird vielfach an Entscheidungsunterstützungs-Systemen gearbeitet, um beispeilsweise Dünger und Pestizide einzusparen oder die Tiergesundheit zu verbessern.

Welche Fortschritte sind aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe in den nächsten Jahren zu erwarten? In welchen Bereichen am stärksten?

Meine Einschätzung ist, dass sich durch den starken Fokus und Druck, die Administration zu vereinfachen, diesbezüglich in den nächsten Jahren viel tun wird. Der Einsatz von einfachen Apps zur Entscheidungsunterstützung und Unterstützung des Betriebsmanagements können sich auch auf kleinen Betrieben schnell durchsetzen. Ein Beispiel ist eine von der Identitas entwickelte App zum mobilen Herdenmanagement. Es gibt viele digitale Hilfsmittel, die keine grossen Investitionen verursachen und dennoch die Arbeit des Landwirts erleichtern, wie beispielsweise der Grasshopper®, ein einfaches teilautomatisiertes System zur Messung des Weideaufwuchses.  

Muss man aufgrund der Digitalisierung auch Nachteile befürchten?

Natürlich gibt es bei jeder Entwicklung positive und negative Aspekte. Eine Gefahr ist, dass Betriebe, die Schwierigkeiten beim Management haben, hoffen, dass die Technik die Probleme lösen kann. Dies ist oftmals nicht der Fall. Eine stärkere Automatisierung muss allerdings nicht zwangsläufig zu einer Entfremdung von den Tieren führen. Durch den Einsatz von Melk- oder Fütterungsrobotern wird beispielsweise Arbeitszeit frei, die auch verstärkt für die Tierkontrolle eingesetzt werden kann und sollte. Ausserdem stelle ich bei meiner täglichen Arbeit zunehmend fest, dass uns die Sensordaten durch die kontinuierliche Aufzeichnung plötzlich Einblicke in das Tierleben ermöglichen, die vorher nicht möglich waren und durch die ich sehr viel über unsere Nutztiere lerne.

Stichwort: Big Data und Datenschutz. Wie schätzen Sie diese Probleme mit Sicht auf die Zukunft ein? Welchen Umgang gibt es damit?

Das Thema wird vielerorts in der Schweiz, aber auch weltweit diskutiert und ist nicht nur eine Frage für die Landwirtschaft. Es muss da eine Regelung für die gesamte Gesellschaft geben, denn auch in anderen Bereichen, wie etwa in der Medizin, müssen wir uns diese Frage stellen. Unter Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat die Schweiz im Juni 2018 die Charta zur Digitalisierung der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft lanciert, die mittlerweile von mehr als 100 Unternehmen und Institutionen unterzeichnet wurde, die sich genau diesen Herausforderungen stellen. Die Jahrestagung der Chartagemeinschaft fand Ende Oktober zum Thema Datenvernetzung und Datensicherheit statt.